Andreas Mettler
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Der verhinderte Musiker

Der zweite von links
Der zweite von links

In meiner Kindheit wurde immer viel musiziert. Könnte man zumindest meinen, wenn man sich das Bild anschaut. Tatsächlich galt das Motto „Wir sind alle unmusikalisch“, das fast wie ein Glaubensbekenntnis stets wiederholt wurde.

Doch das Foto belegt, dass es irgendwann ein Weihnachtsfest gegeben haben muss, in dem die Kinder der Mettlers alle mit Musikinstrumenten beglückt worden waren. Und sogar unser gehörloser Großvater wurde plötzlich zum Musiker. Es gab aber nicht den passenden Musikunterricht zu den Instrumenten und irgendwie habe ich das Gefühl, dass unsere Tröt- und Trommelversuche bald zur Folge hatten, dass die Musikinstrumente wieder aus unserer Kindheit verschwunden sind.

Doch tief in mir habe ich mich immer für einen großen Musiker gehalten. Das konnte ich erstmals im Jahre 1985 beweisen, als ich als leidenschaftlicher Computerspieleentwickler beschäftigt war. Und für mein Commodore-64 Spiel „Astronauts“ wollte ich dann auch den Soundtrack schreiben. Und das sollte eine Umsetzung des dritten Satzes von Beethovens 7. Sinfonie werden. Und zwar nach Gehör. Also eine ganz leichte Übung. Einfach die Schallplatte laufen lassen und zuhören. Hier geht ein Ton nach oben, hier einer etwas weiter nach unten. Kann doch nicht so schwer sein. Im Commodore-Handbuch stand geschrieben, wie man die Musiknoten in Zahlencodes umwandelt und schon war die Musik fertig.

Hier könnt Ihr das Ergebnis anhören!

In der Mitte der Musik gibt es einen Ton, der einfach nicht enden will. Ich hatte die geniale Idee, das langwierige Einlesen einiger Data-Zeilen mit dieser Pause zu kaschieren. Eine der besten Ideen, die ich jemals hatte, wie man hört.

Nachdem die Musik von „Astronauts“ kein großer Erfolg bei meinem überschaubaren Publikum war, machte ich als Komponist erstmal vier Jahre Pause. Meine Commodorespiele wurden komplexer und auch die Tools zum Musizieren wurden besser. 1989 machte ich nochmals einen Versuch. Und dann noch einen. Und noch einen. Manchmal bekam ich als Feedback: „Das ist ja Kindergartenmusik“, manchmal aber auch: „Das hört sich schon fast wie richtige Musik an!“ Das genügte mir, um weiter zu machen.

Hier könnt Ihr die Musik zum Spiel Outside hören.

Dann war die Commodorezeit vorbei. Irgendwann Mitte der 90er Jahre kaufte ich mir einen Windows-PC und wollte es musikalisch nochmals wissen. So legte ich mir ein Keyboard mit Klaviertasten und eine gehobene Soundkarte zu und fing an mit Cubase rumzuexperimentieren. Inspiriert von der Filmmusik zu „First Knight“ von Jerry Goldsmith klopfte ich ein paar C und F Fanfaren in die Tasten und machte daraus ein zweieinhalb Minuten-Werk, das ich einige Jahre später als Soundtrack für mein Flashspiel Plempersau einsetzen konnte.

Hier könnt Ihr dieses Werk anhören.

Das war es dann auch schon wieder mit der Musik, ich war Student und hatte noch anderes zu tun. Das Keyboard schenkte ich meinem Bruder, der damit auch viel mehr anzufangen wusste.

Ach ja, vor fünf Jahren habe ich mir wieder ein neues Keyboard gekauft. Diesmal nicht um zu komponieren, sondern um mal richtig Klavier spielen zu lernen. Dazu das Buch „Klavierschule für Erwachsene“. Bald schon hatte ich die ersten Seiten des Handbuchs durchgeackert und alle Übungen meisterhaft umgesetzt und konnte am Ende mit der rechten Hand die Basics von "Freude schöner Götterfunken" spielen. Und dabei ist es bis heute auch geblieben. Nein, ich setze mich schon alle sechs Monate mal wieder an das digitale Klavier. Und fange wieder von vorne an mit dem Handbuch und komme wieder genau bis zu dem Punkt wie vor fünf Jahren. Dann habe ich abends andere Termine und mache mal wieder ein halbes Jahr Pause.

Ich habe die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, dass aus mir mal noch ein richtig großer Konzertpianist oder ein Komponist wird. Immerhin haben mir meine musikalischen Versuche zu einem Eintrag als „Filmmusikkomponist“ in der Internet-Moviedatabase verholfen. Und ich stehe dort in der Geburtstagsliste jedes Jahr direkt neben Harrison Ford und Patrick Stewart. Na also, wer sagt´s denn?

geschrieben 2017 von Andreas Mettler. Veröffentlicht: 24.03.2017

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