Andreas Mettler
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Nach dem Urlaub: Ich brauch mal Urlaub!

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Es gibt Menschen, die fahren in den Urlaub um sich zu erholen. Das ist bei mir nicht der Fall. Ich fahre in die Berge. So auch dieses Jahr: Hinter jedem Gipfel wartet noch ein Gipfel und manchmal führt der vermeintliche Abstieg wieder hinauf zum nächsten Gipfel.

Dieses Jahr war es ganz besonders schlimm: Die Hochtennspitze in der Nähe von Innsbruck hat es in sich. Ok, irgendwo stand schon vorab in der Beschreibung: „Nur für Erfahrene“, aber das sind nur drei Wörter, die passen noch ganz gut ins Gepäck. Was nicht geschrieben stand war der Hagel, der Sturm und der Nebel.

„Ich bin fix und fertig, jetzt nur noch der Abstieg und dann nach Hause“ – dachte ich zumindest. Doch dann folgte erst einmal eine Geröll-Lawine, die sich über den eigentlichen Weg gelegt hatte. Wo immer ich sie überqueren wollte, rutschten die Steine in den bodenlosen Abgrund. Und mit den Steinen auch meine Füße. Da gab es nur noch eine Lösung: Leicht wie eine Gazelle über die Steine hüpfen und bevor die Rutschpartie beginnt schon den Felsen auf der anderen Seite erreichen. Ist gut gegangen, was will ich mehr?

Es folgte eine Geröll-Lawine nach der anderen. Irgendwann gewöhnt man sich daran. Doch der Weg führte nicht hinab ins Tal, sondern immer höher hinauf auf den nächsten Berg. Aha, ein neuer Gipfel. Und dort stand dann auch das Schild: „Ab hier nur für Geübte“. Soso, was war das denn bisher? Und was soll „Geübte“ überhaupt bedeuten? Geübte Wanderer? Geübte Bergsteiger? Geübte Freikletterer?

Am Ende war es wohl eine Mischung aus allem. Ab und zu tauchte ein Seil an der Felswand auf. Ah, schön: Ich kann mich jetzt mit den Händen sichern. Gleichzeitig bedeutet so ein Seil aber auch, dass jetzt gleich eine richtig fiese Passage kommt. Während andere Leute an einem solchen Punkt nur einen großen Schritt machen müssen, um wieder den Felsen unter den Füßen zu spüren, hänge ich dank meiner kurzen Beine erst einmal am Seil, irgendwie darauf vertrauend, dass da eines Tages wieder ein trittsicherer Felsen kommt.

Nun, da ich diese Zeilen schreibe, habe ich die Tour offenbar überlebt. Manche Menschen gehen nach dem Urlaub entspannt und völlig erholt an ihre Arbeit zurück. Ich glaube aber, ich brauche jetzt erst mal Urlaub.

geschrieben 2017 von Andreas Mettler. Veröffentlicht: 03.07.2017

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