Andreas Mettler
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Ich träume, also bin ich!

Onkel Dagoberts Traumreisen
Onkel Dagoberts Traumreisen

Schön, wenn man noch Träume hat. Ich muss jede Nacht mindestens 8 Stunden schlafen um alles durchzuträumen, was mir so in den Sinn kommt. Und wenn ich am Wochenende schlaftrunken die richtige Taste meines Radioweckers treffe, dann gibt es als Zugabe manchmal sogar noch einen Klartraum. In Klarträumen ist man sich des Träumens bewusst, was dazu führen kann, dass man Herr über die gesamte Traummatrix wird. Das hält meistens aber nicht besonders lange an: Je bewusster ich agiere, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass ich aufwache; je mehr ich in das Szenario hineingleite, desto mehr verliere ich die Kontrolle. Bisweilen versuche ich, den Charakteren meines Traumes Antworten über meine Probleme, das Universum und den ganzen Rest zu entlocken. Fragen, denen meine Traumfiktionen oft gut auszuweichen wissen. Anstelle, dass wir solche Gedanken zusammen erörtern, gehen wir dann eine Runde Achterbahnfahren, Klettern oder Fliegen (Meine drei wesentlichen Traummotive, die Bände über meinen Reifungsprozess als Erwachsenen sprechen). Wir haben dann unseren Spaß, ich bleibe aber genauso schlau wie vorher. Wie im echten Leben. Wo bleibt da die Allwissenheit meines Unterbewusstseins?

Visualisieren bedeutet, sich vorzustellen, wie man alle Probleme gelöst und alle Ziele in der Zukunft erreicht hat. Dabei sollte man nicht einschlafen, sonst kann das wiederum eine unerwünschte Eigendynamik bekommen. Visualisieren kann tatsächlich dazu führen, dass man sich auf die persönlichen Ziele fixiert und anfängt, die eigenen Träume zu verwirklichen.

Und das sollte man besser nicht tun! Denn Träume gehören in die Traumwelt und wenn aus Träumen Projekte werden, dann macht das meistens überhaupt keinen Spaß mehr. Denn wenn es um mehr geht, als nur die eigene autistische Fantasie zu befriedigen, dann hat man plötzlich eine Zielgruppe oder gar potentielle Kunden für das Projekt im Blick und am Ende wird etwas ganz anderes daraus, als das was man einst geträumt hat. Und jedes Projekt hat Mitbewerber, also muss man anfangen, ein einigermaßen gutes Produkt abzuliefern um konkurrenzfähig zu sein, man fängt an ins Ungewisse hinein zu investieren, kauft sich so überflüssige Dinge wie Papierlackiermaschinen und aller Visualisierungspraxis zum Trotz helfen am Ende die Selbstzweifel dem Projekt mehr als ein stolzer „Yes, we can“ Vorsatz und irgendwann erkennt man den eigenen Traum kaum wieder. Dann wird es wichtig, sich mit der Werbung und dem Marketing zu befassen und die richtigen Kontakte zu knüpfen. Irgendwie müssen sich die Invetitionen ja auch wieder lohnen, und sei es nur um darum, dem Finanzamt die kommerzielle Note des Projektes nachzuweisen. Und am Ende hat man sich nur einen weiteren neuen Job aufgeladen, der kreativ und kommerziell irgendwo im Mittelmaß hängen geblieben ist, der viel Arbeit macht und für den man wieder nicht auf die Titelseite der Bravo kommt (ein Traum, von dem man sich mit Mitte 40 allerspätestens verabschiedet haben sollte).

Nein, Träume soll man träumen. Man sollte aber lieber nicht versuchen, sie wirklich umzusetzen. Doch andererseits: Was ist ein Traum, von dem man weiß, dass man ihn niemals wirklich ausleben wird? Ein solcher Traum ist es doch auch kaum wert, dass man ihn träumt. Vielleicht sollte ich in meinen Nächten doch besser beim Achterbahnfahren, Klettern oder Fliegen bleiben.

geschrieben 2014 von Andreas Mettler. Veröffentlicht: 06.06.2014

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