Andreas Mettler
Jeder Mensch ist anders. Außer mir.
Startseite News Kontakt Facebook Impressum Datenschutz
Menu anzeigenMenu anzeigen
Facebook Twitter YouTube Instagram

Psychologie der Gurkengläser

...was für ein Gegurke!
...was für ein Gegurke!

Frisch gekaufte Gurkengläser sind die schlimmsten von allen. Hat man sich erst einmal zusammen mit dem Gurkenglas darauf geeinigt, dass es sich nicht öffnen lässt, dann wird sich daran auch nichts mehr ändern: Es wird für immer verschlossen bleiben oder irgendwann mit einer Zange, einem scharfen Messer oder einem Bohrer gewaltsam von seinem Deckel befreit. Ein solches Gurkenglas ist natürlich eine ganz besonders schöne Zierde für den Kühlschrank, neigt zu erheblicher Verletzungsgefahr und zum Gespött von kühlschrankbenutzenden Gästen.

Ein Gurkenglas kann man entweder beim ersten Versuch besiegen oder überhaupt nicht. Wichtig sind dabei trockene Finger. Wer sich mit feuchten Händen an den Versuch macht, den Deckel des Gurkenglases zu öffnen, verwirkt seine einzige Chance dazu. Denn wenn das Unterbewusstsein einmal verinnerlicht hat, dass sich das Gurkenglas nicht öffnen lässt, dann bleibt dieses Bild für immer haften. Der Kojote macht auf der Jagd auf die Roadrunner auch nur jeden Versuch einmal. Nehmen wir uns ein Beispiel an ihm.

Das Öffnen eines Gurkenglases hat nicht viel mit Kraft, sondern viel mehr mit Psychologie zu tun. Wer schon vor diesem Akt der Befreiung der Gurken das Bild in sich trägt, dass dies jetzt ein unheimliches gegurke werden könnte, der wird auch genau dieses Ziel verwirklichen. Vor dem Öffnen kurz an das leichtgängige „Flupp“ denken, das ein mit flinken Händen schnell geöffnetes Gurkenglas begleitet, uns schon stellen sich die eigenen Finger darauf ein, das Ziel zu verwirklichen. Und das Gurkenglas kommt gar nicht erst auf die Idee Widerstand zu leisten.

Nein, positives Denken funktioniert gewiss nicht in der Weise, wie es uns die Motivations-Gurus aus den 90ern gerne verkauft hätten. „Ich stelle mir vor, ich laufe durch den Wald und dort steht eine Truhe mit Gold.“ Bei solch dreisten Manipulationsversuchen lächelt mich mein Unterbewusstsein nur noch mitleidig an. Aber bei simplen motorischen Aktivitäten kann die passende Visualisierung schon manchmal zum gewünschten Ziel führen. Das funktioniert übrigens auch beim Heben unmenschlicher Gewichte. Jedenfalls manchmal. Manchmal auch nicht und dann kann es wirklich unangenehm werden.

geschrieben 2015 von Andreas Mettler. Veröffentlicht: 04.03.2015

Mehr aus den Knoten meiner Gedanken:

Satirepatzer
Meine erste Erkältung
Weihnachten – Ich glaube Dir!