Andreas Mettler
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Heimat? Ein schwieriges Thema...

Mein Dorf. Grüner geht´s nicht!
Mein Dorf. Grüner geht´s nicht!

So, jetzt haben wir also einen Heimatminister. Oder doch nur ein Heimatmuseum? Zeit, mir mal Gedanken darüber zu machen, was für mich denn so etwas Ähnliches wie eine Heimat sein könnte. Grundsätzlich finde ich sowas nicht schlecht. Zumindest für andere Menschen. Für Leute, die irgendwo einen Anker im Diesseits haben. Ich selbst stelle stets alles in Frage und gehöre nirgends wirklich dazu. Obwohl ich natürlich fast überall mit dabei bin. Oder wie es Baumbart sagte: „Ich bin auf der Seite von niemandem. Denn niemand ist auf meiner Seite, kleiner Ork.“

Apropos Heimat: Ich hab da mal wieder einen Film gedreht. Über das schöne Wetter in Madfeld.

Dann will ich einfach mal meine bisherigen Wohnorte durchgehen. Schauen wir mal, was dem Begriff von „Heimat“ da am nächsten kommt.

„Des isch konn Aacher!“

Geboren bin ich in Aach im Hegau. Eine Stadt mit 2200 Einwohnern. Aber tatsächlich eine Stadt. Die Tochter von König Rudolf von Habsburg hatte ihr Briefpapier in Aach liegengelassen und die Aacher waren so freundlich der jungen Frau ein Paket hinterherzuschicken. So wird ein Dorf zur Stadt. In Aach habe ich meine Jugendtage verbracht und mir war eigentlich immer klar, dass ich dieses Stadtdorf irgendwann verlassen werde. So auch Jesus schon sagte: „Ein Prophet gilt nichts in seinem Vaterlande.“ Natürlich habe ich viele Erinnerungen an Aach. Aber meine Heimat ist das nicht.

Die sozialen Probleme Mannheims erkunden...

Nach einem ersten glücklosen Ausflug in das Aacher Nachbardorf Nenzingen ging es zum Studieren nach Mannheim. Cool: Endlich in einer stinkenden Großstadt mit Parkplatzproblemen wohnen. Egal, ich konnte mir zu dieser Zeit sowieso kein Auto leisten. Und die sozialen Probleme der Stadt kamen mir nur recht: Ich wollte schließlich Sozialpädagoge werden. Und das bin ich schließlich in Mannheim auch geworden. Um dann noch ein Jahr lang in der Kurpfalz zu bleiben, um für eine Zeitarbeitsfirma als Tippse zu arbeiten. Aber nein: Mannheim wurde nicht zu meiner Heimat.

Gladbach war cool!

Und dann kam meine große Chance: Ich wurde Leiter eines pädagogisch ambitionierten Internetcafés in Mönchengladbach. Mit vier anderen Mitarbeitern, die mehr Berufserfahrung hatten und bestimmt auch die besseren Pädagogen waren. Ich konnte allerdings Computern. Das war unter Pädagogen damals noch nicht so verbreitet. Wenn ich nicht da war, flog sofort das ganze Netzwerk auseinander. Und so sollte das auch sein. Die Menschen am Niederrhein sind cool, freundlich und nehmen mich viel zu schnell in den Arm. Mönchengladbach war eine prima Zeit und so manche der damals jugendlichen Internetcafé-Besucher schauen bis heute bei meinen Karaoke-Abenden oder an meinem Geburtstag vorbei. Und das obwohl sie inzwischen eigene Familien haben. Und älter sind als ich. Wie haben sie das nur gemacht?

Aber was mir am Niederrhein gefehlt hat, waren die grünen Landschaften im Frühling. Mir war klar, dass auch die freundlichste Großstadt nicht das werden konnte, was ich als „Heimat“ bezeichnen könnte. Aber ein Teil von mir ist sicherlich für immer in Gladbach geblieben. Wahrscheinlich meine Zirbeldrüse.

Der Sauerländer-Buiterling

Und dann ging es ins Sauerland. Erst nach Arnsberg, dann nach Sundern und nach ein paar unangemessen erfolgreichen Jahren als Suchmaschinenoptimierer nach Madfeld ins eigene Häuschen. Und was soll ich sagen: Ich habe hier tatsächlich mehr Leute kennen gelernt als nur die Nachbarn zu linken und zur rechten Seite und die obligatorische Holländerin von gegenüber. Und das ist mir gelungen, obwohl ich noch nie auf einem Schützenfest war. Es lebe das Sauerland!

Und seit ich hier wohne, ist das Dorf Madfeld dauernd in den Schlagzeilen. Da gibt es plötzlich internationale Presse wegen eines Dorfschildes, das am falschen Platz steht. Dann drohen die schlimmen Signalkrebse aus Madfeld die benachbarte Talsperre zu verpesten. Und neuerdings haben wir sogar einen Amokläufer. Gut, das hat alles überhaupt nichts mit mir zu tun. Wenn die Sonne scheint, dann drehe ich einfach mal einen bunten Film von der Landschaft rund um Madfeld. Oder ich tobe mit beim Kinderkarneval. Oder sitze im Gasthof Amen, wenn es alle paar Jahre mal wieder um die Frage geht, wie wir die Aktivitäten in Madfeld nicht-vernetzen. So gut integriert war ich noch an keinem Wohnort. Und ich bin nun wirklich kein typischer Madfelder und werde nie einer sein. Gerade das macht es doch interessant. Ich habe auch keinen Plan, wieder von hier wegzuziehen. Aber ist das nun meine Heimat? Ich sollte mal den Heimatminister fragen.

geschrieben 2018 von Andreas Mettler. Veröffentlicht: 07.05.2018

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